Schuhplattler
Der Schuhplattlertanz ist ein geselliger Tanz, bei dem das
tanzende Paar aber auch der einzeln tanzende Bursch ganz auf sich allein gestellt
sein kann.
Aus heute nicht mehr nachweisbaren Anfängen, die vielleicht bis
ins Mittelalter zurückgehen, entstand er im 19.Jahrhundert in einer sich über
Jahrzehnte hinwegziehenden Entwicklung. Die "Erfinder" waren einfache
Leute: Bauern, Jäger, Holzknechte. Der Bursch führte "sein" Dirndl
zum Tanz, der ihm Gelegenheit bot, ihr deutlich zu machen, was ihn bewegte. Man
muß sich vergegenwärtigen, daß die Bauernburschen und Holzknechte vergangener
Jahrhunderte weder lesen noch schreiben konnten und in ihrer verbalen
Ausdrucksweise recht unbeholfen gewesen sein dürften. Aber sie waren körperlich
gewandt, verfügten über große Muskelkräfte und waren durch die harte Arbeit zu
erstaunlichen Dauerleistungen trainiert. Dazu kam wohl auch Musikalität und
rhythmisches Gefühl.
Mit diesen Gaben der Natur wollten sie sich ihren Dirndln offenbaren. Insoweit
war der Tanz von Anfang an ein Werbetanz, mit dem der Bursch um die Gunst des
Dirndls warb.
Wie weit die Vorläufer des Schuhplattlers zurückreichen, weiß man nicht. Die
ältesten brauchbaren Nachweise über sie datieren aus der Zeit des höfischen
Menuetts, der Quadrille und der Francaise im 18. und 19.Jahrhundert. Während
aber hier strenge Regeln und Vorschriften den gesamten Tanzablauf festlegten,
folgten die bäuerlichen Tänzer in Oberbayern und Tirol in der ersten Hälfte des
vorigen Jahrhunderts frei von allen Regeln nur ihrer Musikalität und ihrem
körperlichen Bewegungs- und Gestaltungsdrang.
Der Charakter des frei gestalteten Werbetanzes, bei dem der Bursch nach eigenem
Gutdünken im Tanz improvisierte, verlor im Laufe der Jahrzehnte, etwa von der
Mitte des 19.Jahrhunderts an, allmählich diese spezielle Bedeutung und wandelte
sich mehr und mehr zum Schautanz, bei dem der Tänzer - nun im Verein mit
anderen Burschen plattelnd - weniger "seinem" Dirndl zu gefallen
suchte, als vielmehr den Zuschauern allgemein.
Jeder Werbetanz trägt den Kern eines Schautanzes in sich. Er soll ja gesehen,
"geschaut" werden. Die Bezeichnung 'Schautanz' hat hier keine
abwertende Bedeutung im Sinn einer "Show", die ausschließlich
kommerziellen Zielsetzungen folgt. Unter 'Schautanz' ist in diesem Zusammenhang
eher eine Selbstdarstellung zu verstehen, praktiziert mit der Gemeinschaft, der
man angehört, und für sie. Den reinen Werbetanz-Charakter hat der Schuhplattler
heute noch bewahrt, dort nämlich, wo im Paartanz noch plattelnd vom einzelnen
improvisiert wird.
Zum vollen Verständnis sei der Unterschied zwischen
"Schuhplattler-Tanz" und "Schuhplatteln" deutlich gemacht.
Der Schuhplattler-Tanz besteht aus dem Tanz, den die Paare nach Ländlermusik
gemeinsam absolvieren, und dem Schuhplatteln, der ausschließlich männlichen
Aktivität, die in den gesamten Tanzablauf eingebaut ist.
Die Dirndln platteln nie, denn das Platteln ist "Burschensache" Man
ist sich heute wohl ziemlich einig, es als "Schuhplatteln" zu
bezeichnen, wenn sein Tänzer ohne Kontakt mit seinem Dirndl rhythmisch exakt im
Takte der Musik mit seinen Händen abwechselnd auf seine Schenkel und seine
Schuhe schlägt. Diese Schläge auf die Schuhe nennt man nach Karl Horak
"Plattl-Schläge". Sie geben dem Tanz den Namen.
Der österreichische Tanz-Forscher Karl Horak machte in seinem
"Tiroler Volkstanzbuch" den Versuch, den Entstehungsraum des
Schuhplattelns einzugrenzen. Er hält jenes bayerisch-tirolerische
Alpen-viereck, das von der Linie Garmisch-Meran im Westen, Salzach und Drau im
Osten, von der Linie Tölz-Ruhpolding im Norden und Eisack- und Pustertal im
Süden für das Ursprungsland. Ausschließlich aus diesem Raum stammen alle Belege
über das Schuhplatteln, deren die Forschung bisher habhaft werden konnte.